Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Abdülmecid II.

Abdülmecid II., letzter Kalif des Islams aus dem Hause Osman, * Istanbul 27.06.1868, † Paris 23.08.1944, Sohn von Sultan Abdülaziz.

Leben

A. lebte bis zur jungtürkischen Revolution von 1908 in strenger Abgeschiedenheit, erhielt keine geordnete Ausbildung und wies wie andere Angehörige der Dynastie Anzeichen von Geistesverwirrung auf. 1918 wurde er durch den Tod von Sultan Mehmed V. Reşad und die Thronbesteigung von Mehmed VI. Vahdeddin - beide waren Söhne von Abdülmecid I. und somit seine Vettern - Thronfolger. Seine Haltung schwankte zwischen der Treue zu seinem Hause und gelegentlicher Parteinahme für die türkischen Revolutionäre.
Infolge der Abschaffung des Sultanats durch die Große Türkische Nationalversammlung am 1. November 1922 verlor er die Eigenschaft des Thronfolgers, wurde indessen nach der Flucht Mehmeds VI. auf ein britisches Kriegsschiff von der Nationalversammlung am 18. November zum Kalifen gewählt. Um ihn sammelten sich noch einmal die Gegner des türkischen Revolutionsregimes, ohne daß er selbst irgendwelche Macht besessen hätte. Nach der Unterzeichnung des Friedensvertrages von Lausanne am 24. Juli und der Räumung von Istanbul durch die Alliierten am 2. Oktober 1923 büßte er auch diese Rolle ein.
Am 29. Oktober 1923 wurde die Türkische Republik ausgerufen, nachdem bereits am 13. Oktober Ankara offiziell Regierungssitz geworden war. Den Schlußstrich zog die Große Nationalversammlung am 3. März 1924, als das Kalifat aufgehoben und die Angehörigen der Dynastie Osman des Landes verwiesen wurden. Mit seinen nahen Verwandten verließ A. in der folgenden Nacht seine Heimat und lebte bis zu seinem Tode meist in Paris, wo er zunächst auch beigesetzt wurde. Später wurden seine Gebeine nach Medina überführt.

GND: 120660229

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