Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Zois von Edelstein, Siegmund

Zois von Edelstein, Siegmund (Žiga) Freiherr, krainischer Großgrundbesitzer und Industrieller, Naturforscher und Förderer der slowenischen Sprache und Literatur, * Triest 23.11.1747, † Laibach (Ljubljana) 10.11.1819, Sohn des Freiherrn Michael Angelo Z. von Edelstein, Großkaufmann und Unternehmer italienischer Abkunft.

Leben

Erzogen im Geist der französischen und italienischen Aufklärung, schloß Z. seine humanistische Schulbildung in Bergamo (Italien) ab und arbeitete, ab 1768 in Faibach und dort naturwissenschaftlich und technisch ausgebildet, in dem vom Vater Michelangelo Z. begründeten, vor allem mit Eisenverhüttung und Eisenexport befaßten Familienunternehmen. 1774 selbständig und nach des Vaters Tode (1777) größter Unternehmer in Krain, betrieb Z. selbst die Verbesserung der Hüttenproduktion. Als hervorragender Mineraloge baute er eine der größten Mineraliensammlungen seiner Zeit auf. Nach 1790 immer stärker von Krankheit betroffen, konnte Z. ab 1797 sein Faibacher Haus nicht mehr verlassen. Sein Vermögen verfiel infolge der Kriegseinflüsse und der überstarken Konkurrenz, so daß Z., Mitglied mehrerer wissenschaftlicher Gesellschaften, hochgeehrt, doch verarmt starb.
Z., Besitzer einer großen slawistischen Bibliothek, sammelte ab 1779 die zweite Generation der slowenischen „Wiedergeburt“ um sich: Er förderte und regte an u.a. Blasius Kumerdej, Anton Thomas Linhart und seinen „Hausslawisten“ Valentin Vodnik. Hier entstanden neben grammatikalischen Untersuchungen und Übersetzungen die ersten weltlichen Schriften der bisher nur religiös-erbaulichen Literatur in slowenischer Sprache, wurde umfangreicher Briefwechsel mit den Slawisten außerhalb Sloweniens gepflegt. Bartholomäus Kopitar, 1804-1808 Z.’ Sekretär, war jüngstes Mitglied des Kreises und studierte mit Z.’ Unterstützung in Wien.
Der Mäzen und Anreger, der am technischen Fortschritt orientierte Industrielle und Unternehmer Z. war politisch konservativ und in seiner Gegnerschaft gegenüber der Französischen Revolution und gesellschaftlichen Reformen seinen Standesinteressen als Adeliger und Großgrundbesitzer verhaftet. Sein Patriotismus war vornational, ständisch, und sein Interesse an der Pflege der Volkssprache und an der wissenschaftlichen Slawistik war das eines Aufklärers, bleibt aber unbestritten in seinen Verdiensten für die slowenische Sprache und Literatur.

Literatur

Richter, [Franz Xaver]: Sigmund Zois, Freyherr von Edelstein. Laibach 1820.
Vidic, Fr[an]: V hiši slovenskega mecena. In: Spomen-cvieće iz hrvatskih i slovenskih dubrava. Zagreb 1900, 606 bis 612.
Kidrič, Francè: Dobrovský in slovenski preporod njegove dobe. Ljubljana 1930.
Prijatelj, Ivan: Duševni profili slovenskih preporoditeljev. Ljubljana 1935.
Kidrič, Francè (Hrsg.): Zoisova korespondenca. Bd 1: 1808-1809. Bd2: 1809-1810. Ljubljana 1939/41.
Mohorič, Ivan: Dva tisoč let železarstva na Gorenskem. Bd 1. Ljubljana 1969.
Petrè, Fran: Kopitar und Herder. In: Slawischdeutsche Wechselbeziehungen in Sprache, Literatur und Kultur. Berlin 1969, 565-570.
Pogačnik, Jože: Zgodovine slovenskega slovstva. Bd 2. Klasicizam in predromantika. Maribor 1969.
Gspan, Alfonz: Tri nova Zoisova slovenska pesemska besedila. In: Slavistična revija 17 (1969) 2, 119-181.
Pogačnik, Jože: Bartholomäus Kopitar. Leben und Werk. München 1978, passim.

Verfasser

Wolfgang Kessler (GND: 124485324)


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