Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Albrecht Friedrich Rudolf

Albrecht Friedrich Rudolf, Erzherzog von Österreich, Herzog von Teschen, österreichischer Feldmarschall, * Wien 3.08.1817, † Arco (Südtirol) 18.02.1895, Sohn Erzherzogs Karl und der Henriette Prinzessin von Nassau-Weilburg.

Leben

Der Sohn des Siegers von Aspern war früh für den Soldatenberuf bestimmt und trat 1837 in den Dienst des Heeres ein. 1843 zum Feldmarschalleutnant und 1845 zum kommandierenden General von Ober- und Niederösterreich ernannt, schritt er am 13. März 1848 in Wien mit Waffengewalt gegen die Revolution ein. Er zog dabei nicht nur den Haß der Liberalen und Demokraten auf sich und dankte ab. Im Sommer 1848 kämpfte A. unter dem Oberbefehl Radetzkys in Italien; im März 1849 erwarb er sich als Divisionskommandant Verdienste an den Siegen von Mortara und Novara. Im Herbst 1849 wurde A. zum Kommandeur des in Nordwestböhmen aufgestellten Observationskorps ernannt.
Seine Berufung zum Militär- und Zivilgouverneur in Ungarn im September 1851 bedeutete einen Höhepunkt in der Karriere A.s. Der Oberbefehl über alle Heeresverbände in der Monarchie, mit Ausnahme der italienischen Truppenteile, und die Möglichkeit, mit dem Aufbau der Verwaltungsorganisation auch die spätere Entwicklung maßgeblich zu beeinflussen, verliehen der Stellung des Oberkommandierenden in Ungarn eine entscheidende Bedeutung. A. folgte hierbei Feldzeugmeister von Haynau der voller Ehrgeiz, eine politische Rolle zu spielen, die Regierungspolitik geradezu gefährdet hatte. Seine Abberufung setzte gleichsam sinnbildlich der nackten Gewaltherrschaft ein Ende, doch die Ernennung des erzkonservativen, jeden bürgerlichen Fortschritt strikt ablehnenden Erzherzogs brachte nicht den erhofften Erfolg mit sich. Er scheiterte schließlich an der passiven Resistenz der Ungarn, die sich gegen den angestrebten Grad der Zentralisation sträubten und die Aufhebung ihrer Verfassung hinzunehmen nicht bereit waren. Nach Ausbruch des Krieges im Jahre 1859 reiste er in kaiserlicher Mission nach Berlin, um die Preußen für ein Bündnis gegen Sardinien und Frankreich zu gewinnen, doch der preußische Hof lehnte ab. Er wurde in Ofen im April 1860 vom Feldzeugmeister Benedek abgelöst.
A. erhielt nun den Oberbefehl eines Armeekorps in Vicenza übertragen. Der 1863 zum Feldmarschall beförderte Erzherzog war 1866 Kommandant der Südarmee und gewann in dieser Funktion am 24. Juni die Schlacht von Custozza. Nach Königgrätz übernahm er als Nachfolger Benedeks den Oberbefehl über die gesamte kaiserliche Streitmacht und drängte zur Fortsetzung des Krieges. Seine Bündnisverhandlungen seit Februar 1870 mit Napoleon III. scheiterten. A., als unbedingter Anhänger und Wortführer des österreichischen Gesamtstaatsgedankens - er selbst nannte sich 1868(!) einen „Patrioten Gesamtösterreichs“ - versuchte vergeblich, das Zustandekommen des österreichisch-ungarischen Ausgleichs (Februar 1867) zu verhindern.
A. war anschließend bis zu seinem Tode Generalinspekteur des Heeres und als solcher der kompromißlose Anwalt altösterreichischen Soldatengeistes und einer rein dynastischen Auffassung der Funktion des Heeres, wobei ihm stets sein Vater und dessen Dienstreglement von 1806/1807 zum Vorbild dienten. Sein starrer Konservativismus konnte mit den Forderungen der Zeit nicht Schritt halten und ist schuld am Ausbleiben mancher notwendig gewordenen Reformen in der Armee. A. verfocht seine Anschauungen auch in mehreren militärpolitischen Schriften.

Literatur

Duncker, C. von: Feldmarschall Erzherzog Albrecht. Wien 1897.
Werkmann, August: Erzherzog Albrecht und Benedek. (Diss.) Wien 1946.
Srbik, Heinrich Ritter von: Aus Österreichs Vergangenheit. Von Prinz Eugen zu Franz Joseph. Salzburg 1949.
Wandruszka, Adam: Das Haus Habsburg. Die Geschichte einer europäischen Dynastie. Stuttgart 1956(2).
Miskolczy, Julius: Ungarn in der Habsburger Monarchie. Wien, München 1959. = Wiener Historische Studien. 5.
Walter, Friedrich: Von Windischgrätz über Weiden zu Haynau. Wiener Regierung und Armee-Oberkommando in Ungarn 1849/50. In: Walter, Friedrich und Harold Steinacker: Die Nationalitätenfrage im alten Ungarn und die Südostpolitik Wiens. München 1959, 68-161. = Buchreihe der Südostdeutschen Historischen Kommission. 3.

Verfasser

Adalbert Toth (GND: 107959593)

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Empfohlene Zitierweise: Adalbert Toth, Albrecht Friedrich Rudolf, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 1. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1974, S. 30-31 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=415, abgerufen am: (Abrufdatum)

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