Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

In den Suchergebnissen blättern

Treffer 
 von 1526

Alexios I. Komnenos

Alexios I. Komnenos, byzantinischer Kaiser 1081-1118, * 1057?, † 15./16.08.1118, Sohn des Johannes Komnenos und der Anna Dalassena.

Leben

A. gelangte im Jahre 1081 an die Macht und war der Begründer einer der berühmtesten Dynastien des byzantinischen Reiches. Von Anfang an sah er sich zahlreichen Feinden gegenübergestellt - den Türken in Kleinasien, das von jeher das Herz des Reiches gewesen war, den Normannen in Italien und den westlichen Provinzen von Byzanz, den Petschenegen und den Kumanen im Norden der Balkanhalbinsel, den Kreuzfahrern usw. Er siegte aber an fast allen Fronten, sei es durch seine Diplomatie, sei es, indem er seine Feinde gegeneinander ausspielte oder aber indem er sie auf dem Schlachtfeld schlug. Seine Ehe mit Irene Dukas sicherte ihm zudem die Unterstützung der Dukas.
Drei Ereignisse während der Regierungszeit von A., die von entscheidender Bedeutung für das Schicksal des Ostens in Hinblick auf seine Beziehung zum Westen waren, bedürfen der Erwähnung: 1. Die Ausdehnung der italienischen Normannen nach Osten, ein Prozeß, der das Vorspiel zu den Kreuzzügen sein sollte. Zweimal konnte A. das Vordringen der Normannen - mit Hilfe Venedigs - aufhalten: Einmal während des Krieges gegen Robert Guiskard und seinen Sohn Bohemund (1081-1085) und zum zweiten in der Auseinandersetzung mit Bohemund (1107-1108). 2. Die Konzession von Privilegien an die Venetianer durch den Vertrag von 1082, der die Grundlagen für die Vorherrschaft Venedigs im östlichen Mittelmeerraum schuf und der mehrere Male von den Nachfolgern des A. erneuert wurde. Diese Privilegien, die später auch anderen italienischen Republiken gewährt wurden, untergruben den Handel und die Wirtschaft von Byzanz. 3. Die im Jahre 1096 auf Initiative des Papstes Urban II. und westlicher Adeliger zustandegekommene Organisation der Kreuzzüge. Auf Grund neuester Forschungsergebnisse ist anzunehmen, daß der angebliche Brief A.s an den Grafen Robert von Flandern erdichtet oder zum mindesten gefälscht ist und daß der byzantinische Kaiser niemals einen Kreuzzug der Lateiner veranlaßt hatte, zumal zu einem Zeitpunkt, da er selbst im Begriff war, den Türken entgegenzutreten. Der Kreuzzugsgedanke als Ergebnis eines durch die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse im Westen verursachten historischen Prozesses führte die Abendländer nach dem Osten und verwickelte sie in einen verhängnisvollen Konflikt mit dem reichen und kulturell hochentwickelten byzantinischen Reich. Der Konflikt wurde unvermeidlich im Verlaufe des 4. Kreuzzuges, als die Kreuzfahrer auf dem Weg von ihrem Feldzug nach Ägypten sich gegen Konstantinopel wandten, das sie im Jahre 1204 einnahmen. Durch Verträge, in denen die Lateiner sich verpflichteten, dem byzantinischen Kaiser den „Huldigungseid“ zu leisten und ihm als dem eigentlichen Herrscher die eroberten Gebiete zu überlassen, versuchte A. während des 1. Kreuzzuges nach Möglichkeit seine Rechte zu wahren. A. seinerseits lieferte den Kreuzfahrern Verpflegung und Munition. Anfangs hielten sich die Kreuzfahrer an ihr Wort, später jedoch gründeten sie auf den besetzten Territorien die lateinischen Staaten des Ostens. Diese unabhängigen Staaten schufen einen neuen „status quo“ in der Politik des Mittelalters.
A. erwies sich nicht nur als genialer Stratege und Politiker, sondern ebenso als bedeutender Erneuerer auf dem Gebiete der Verwaltung, der Finanzen und des byzantinischen Heerwesens. Er bildete die Hoftitulaturen und Würden grundlegend um. Darüber hinaus verlieh er den Großgrundbesitzern und Klöstern wichtige Immunitäten durch die Einführung des sog. Charistikarierwesens. Durch seine Religionspolitik wurde er schließlich einer der bedeutendsten Vorkämpfer der Orthodoxie. A. starb im Jahre 1118. Nachfolger wurde sein Sohn Johannes (II.).
Anna Komnene, eine der Töchter des A., verfaßte die „Alexias“, die nicht nur eine Geschichte der Ruhmestaten ihres Vaters ist, sondern vor allem ein lebendiges und genaues Bild des Lebens und der Institutionen im Byzanz des ausgehenden 11. und beginnenden 12. Jh.s vermittelt und durch ihren gesuchten antiken Stil ein Meisterwerk der byzantinischen Literatur repräsentiert.

Literatur

Chalandon, Ferdinand: Essai sur le règne d' Alexis Ier Comnène. Paris 1900.
Runciman, Steven: A History of the Crusades. Bd 1. Cambridge 1951.
Lemerle, Paul: Byzance et la Croisade. In: Relazioni di X Congresso Internationale di Scienze Storiche 3(1955) 595-620.
Ostrogorsky: S. 293-310.

Verfasser

Eras L. Vranoussi


Treffer 
 von 1526