Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

In den Suchergebnissen blättern

Treffer 
 von 1526

Dandolo, Andrea

Dandolo, Andrea, Doge von Venedig, * 1310, † Venedig 7.09.1354.

Leben

D. war der vierte Doge aus dieser venezianischen Patrizierfamilie, die im 10. Jh. das erste Mal erwähnt wird und die vom 12. bis zum 15. Jh. zu den führenden Geschlechtern der Stadt zählte - es seien nur Enrico D., Patriarch von Grado (1130-1182) und dessen Neffe Enrico D., der Eroberer von Konstantinopel, erwähnt. Bereits in sehr jungen Jahren begann D. seine Karriere im Staatsdienst: 1331 wurde er Prokurator von S. Marco, 1333 Podestà von Triest und 1336 „Provveditore in campo“ im Krieg gegen Mastino II. della Scala. Am 4. Januar 1343 wurde er, trotz seines jugendlichen Alters - was der venezianischen Tradition widersprach - zum Dogen gewählt.
D. war ein gebildeter Mann, der an der Universität von Padua die humanistischen Disziplinen, vor allem aber Jurisprudenz, studiert hatte. Schon zu Beginn seiner Amtszeit wurde er mit Problemen konfrontiert, die für die Existenz des venezianischen Staates von lebenswichtiger Bedeutung waren: Zunächst galt es, die Gefahr zu bannen, die sich durch die im ägäischen Raum immer mächtiger werdenden Osmanen ergab. 1343 wurde Smyrna durch die Flotte der verbündeten christlichen Staaten, an deren Spitze der Venezianer Pietro Zeno stand, erobert. Das sollte allerdings der einzige Erfolg der christlichen Liga, der außer Venedig der Papst, der König von Zypern und die Johanniterritter angehörten und die sich um 1348 wieder auflöste, bleiben.
Im Adriaraum hatte Venedig größere Erfolge zu verzeichnen: Es gelang D. 1344, den Patriarchen von Aquileia und den Grafen von Görz zur Anerkennung der venezianischen Herrschaftsrechte in Istrien zu bewegen. Auch in Dalmatien konnte D. die venezianischen Ansprüche mit Erfolg verteidigen: Im August 1345 war in Zara (Zadar) eine neue Rebellion (die 7.) gegen die venezianische Herrschaft ausgebrochen. König Ludwig I. von Ungarn, dem sich die Stadt unterstellt hatte, kam ihr mit einem 40 000 Mann starken Heer zu Hilfe; am 1. Juli 1346 kam es zur Schlacht, in der die Ungarn eine empfindliche Niederlage erlitten. Zadar mußte am 15. Dezember kapitulieren und bekam eine venezianische Garnison. Den Ungarnkönig zu einem Verzicht auf Dalmatien zu bewegen, gelang D., der bedeutende Summen (bis zu 100 000 Dukaten) dafür anbot, jedoch nicht. Mißerfolg war indes der Rebellion beschieden, die im Pestjahr 1348 auf Istrien in Capodistria ausbrach und hinter der Graf Albert von Görz, Patriarch Bertrand von Aquileia und die Erzherzoge von Österreich standen. Zur gleichen Zeit begannen auch wieder die Auseinandersetzungen mit den Genuesen, die den Schwarzmeerhandel für sich allein beanspruchten. Der offene Kampf begann 1350 mit einem genuesischen Überfall auf Negroponte. Venedig verbündete sich mit Johannes VI. Kantakuzenos und Peter von Aragon. Im Februar 1352 kam es vor Konstantinopel im Bosporus zu einer Seeschlacht, die unentschieden ausging, wie auch die folgenden Kämpfe. Genua gelang es 1352, den notorischen Feind Venedigs, Ludwig I. von Ungarn, auf seine Seite zu ziehen, indem es Dalmatien als ungarischen Herrschaftsbereich anerkannte. Dieses Bündnis hatte jedoch keine Folgen, da der König nicht in den Kampf eingriff. Die Genuesen erlitten im Sommer 1353 vor Lojera an der Westküste Sardiniens eine Niederlage. Sie schickten den „Poeta Laureus“ Francesco Petrarca zu Verhandlungen nach Venedig, D. blieb jedoch taub gegenüber den Beschwörungen italienischer Eintracht. Venedig mußte für die Hartnäckigkeit D.s büßen; im Frühsommer 1354 erschienen genuesische Schiffe in der Adria, während die venezianische Flotte ihren Gegner im Tyrrhenischen Meer zu stellen hoffte. Die Genuesen plünderten Curzola (Korčula), Lesina (Hvar) und Parenzo (Poreč) und bedrohten bald Venedig selbst. D. sah sich gezwungen, die Lido-Einfahrt durch Ketten versperren zu lassen.
Man hat D. sicher zu Unrecht vorgeworfen, durch seine starre Haltung die nach seinem Tode erfolgte Niederlage vor Sapienza verschuldet zu haben. D. war allerdings kein entschlußfreudiger Politiker; er war Jurist und Historiograph und als solcher blieb er der Nachwelt in Erinnerung. Sein Hauptwerk ist die bis zum Jahre 1280 reichende Chronik der venezianischen Geschichte; auf D.s Anregung gehen auch die Urkundensammlungen „Liber albus“ (Verträge Venedigs mit dem Orient) und „Liber blancus“ (Verträge mit dem Westen) zurück.

Literatur

Simonsfeld, Henry: Andreas Dandolo und seine Geschichtswerke. München 1876.
Kretschmayr, Heinrich: Geschichte von Venedig. Bd 2. Gotha 1920.
Pastorello, Ester: [Einleitung zu] Andreae Danduli ducis Venetiarum chronica per extensum descripta aa. 46-1280 d.C. a cura di Ester Pastorello. Bologna 1941, III-CXI. = L. A. Muratori: Raccolta degli storici italiani. 12.

Verfasser

Peter Bartl (GND: 133417492)


Treffer 
 von 1526
Ok, verstanden

Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Mehr Infos