Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Garami, Ernő

Garami, Ernő, führende Gestalt der ungarischen sozialdemokratischen Bewegung, * Budapest 13.12.1876, † ebd. 28.05. 1935.

Leben

Während seiner Lehre als Elektriker wurde G. mit der Sozialdemokratie bekannt. Damals schon schrieb er Artikel in der „Népszava“ (Volksstimme). Nach einem Aufenthalt in Berlin kehrte er 1898 zurück und war von dieser Zeit an bis 1919 Mitglied der sozialdemokratischen Parteiführung, Chefredakteur der „Népszava“ und erster Redakteur des Blattes „Szocializmus“. Er nahm starken Anteil am Kampf für das allgemeine und geheime Wahlrecht. 1908 wurde sein Theaterstück „A megváltás felé“ (Der Erlösung entgegen) aufgeführt. Nach der Revolution vom Oktober 1918 wurde G. Mitglied des Nationalrats und Handelsminister der Károlyi- und Berinkey-Kabinette (31.10. 1918-21.03.1919). Die am 16.11.1918 ausgerufene Republik betrachtete G. als einen Staat der vornehmlich bürgerlich-bäuerlichen Kräfte, er bejahte die Aufteilung des Großgrundbesitzes und warnte seine Partei davor, zu dieser Zeit die parlamentarische Majorität anzustreben. Er hielt die Entwicklung noch nicht reif für die Verwirklichung des Parteiprogramms, befürchtete die Überhandnahme des bolschewistischen Flügels und sah die Hauptaufgabe in der Wahrung der demokratischen Errungenschaften.
Die Schwäche der Károlyi-Regierung lag unter anderem in den von der Entente vorgeschriebenen Demarkationslinien und im Vordringen der Mächte der Kleinen Entente auf ungarischem Staatsgebiet. Als die Vyx-Note den Vormarsch der Rumänen weiter begünstigte, geriet die Macht in die Hände der Bolschewisten (21.03.1919). G. trat nun aus der Partei aus und verbrachte die Zeit der Räterepublik in der Emigration, in Wien und in Vevey (Schweiz). Von hier schrieb er ein Memorandum an Clemenceau (8.06.1919), in dem er die soziale und nationale Komponente der ungarischen proletarischen Diktatur hervorhob, und wirtschaftliche Konsolidation und annehmbare Grenzen als Voraussetzungen für eine Normalisierung bezeichnete.
Nach dem Sturz der Räterepublik war G. designierter Justizminister des Peidl-Kabinetts (1.-6.08.1919). In die Heimat zurückgekehrt, verhandelte er mit dem Ententebevollmächtigten Sir George Clerk über eine bürgerlich-sozialdemokratische Regierung und unterschrieb die Zustimmung zum Einmarsch der Nationalarmee unter Führung von Miklós Horthy nach Budapest (16.11.1919). Im November 1919 ging G. wieder in die Emigration und gab in Wien zusammen mit Márton Lovászy das Blatt „Jövő“ (Zukunft) heraus. 1929 kehrte er nach Ungarn zurück, verließ das Land wegen innerparteilicher Differenzen 1931 aufs neue und kehrte 1934 als kranker Mann endgültig zurück.
Zu G.s bedeutenderen Veröffentlichungen zählen: „Hazafiság és nemzetköziség“ (Vaterlandsliebe und Internationalismus, Budapest o. J.), „Választójog és tömegsztrájk“ (Wahlrecht und Massenstreik, Budapest 1913), „Az osztályharc“ (deutsche Ausgabe: Der Klassenkampf, Budapest 1914), „A politikai harc és a munkásság“ (Der politische Kampf und die Arbeiterschaft, Budapest 1918), „Marx és Engels élete“ (Das Leben von Marx und Engels, Budapest 1919). G.s Memoiren unter dem Titel „Forrongó Magyarország. Emlékezések és tanulságok“ (Das unruhige Ungarn, Erinnerungen und Lehren) sind 1922 in Leipzig und Wien erschienen.

Literatur

Garami Ernő emlékkönyv. Budapest 1939.
Gárdos, Mariska: Szállj gondolat. Budapest 1962.

GND: 124328008


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Empfohlene Zitierweise: Ilona Reinert-Tárnoky, Garami, Ernő, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 2. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1976, S. 9-10 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=850, abgerufen am: (Abrufdatum)

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