Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

Hunfalvy, Pál
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Hunfalvy, Pál

Hunfalvy (bis 1842 Hunsdorfer), Pál, ungarischer Philologe und Ethnologe, * Nagyszalók (Komitat Zips; heute Vel'ký Slavkov) 12.03.1810, † Budapest 30.11.1891.

Leben

H. studierte in Käsmark, Miskolc und Pest Rechtswissenschaft, Theologie und Philosophie (in Miskolc erlernte er außerdem das Ungarische) und war zunächst 1834-1838 als Erzieher bei der Familie des Barons Károly Podmaniczky in Miskolc und Aszód tätig. Während dieser Zeit war H. Mitglied des Landtages in Preßburg als „absentium legatus“ der verwitweten Baronin Podmaniczky. Nach einem Aufenthalt in Dresden 1834, dessen Eindrücke er unter dem Titel „Drezdai levelek“ (Briefe aus Dresden) 1839 in Pest veröffentlichte, schloß H. 1838 sein Jurastudium ab und wurde 1842 auf den Lehrstuhl für Rechtswissenschaften am Evangelischen Kollegium in Käsmark berufen und dort 1846 zum Direktor ernannt. Zu dieser Zeit war H. bereits Mitglied der ungarischen Akademie der Wissenschaften (1841) und der „Kisfaludy-Gesellschaft“ (1843).
Im Revolutionsjahr 1848 zog H. nach Pest und wurde zum Abgeordneten des Wahlbezirks Szepesszombat (Spišská Sobota) gewählt. H., der aktiv an den Verhandlungen des Reichstags teilnahm und der Regierung nach Debreczin folgte, unterstützte die „Friedenspartei“ und war um einen Ausgleich mit den Habsburgern bemüht. Nach der Niederwerfung der Revolution, die H. in Arad miterlebt hatte, wurde er von seinem Amt in Käsmark enthoben. In der ersten Ausgabe der Zeitschrift „Új Magyar Múzeum“ (Neues Ungarisches Museum, 1850) skizzierte er in dem Artikel „Igaz aranybulla“ (Die wahre Goldene Bulle) die zukünftigen nationalen Aufgaben: Verbreitung der Kultur, Hebung des Lebensstandards und Entfaltung der nationalen Sprache. Im Jahre 1851 trug H. in einer Sitzung der Akademie seine erste sprachwissenschaftliche Abhandlung über die arischen, semitischen und ural-altaischen Sprachgruppen vor, wobei er noch das Ungarische zwischen das Türkische und Finnische stellte. Im gleichen Jahr wurde H. zum Bibliothekar der Akademie gewählt (bis 1876). Zu einem ernsthaften Studium der vergleichenden finno-ugrischen Sprachwissenschaft wurde H. durch die Reiseergebnisse des Sprachforschers und Ethnologen Antal Reguly angeregt. Nach der unheilbaren Erkrankung Regulys bearbeitete H. dessen Materialien zur Volksdichtung der Wogulen und gab 1859 „A vogul teremtés mondája (Der Schöpfungsmythos der Wogulen) heraus. Weitere Ergebnisse faßte H. in dem Buch „A vogul föld és nép“ (Land und Volk der Wogulen) zusammen, das bis heute als die umfassendste Beschreibung der Wogulen gilt. Durch seine eigenen obugrischen Forschungen - er unternahm eine Studienreise ins Baltikum und nach Finnland - hat H. einen wesentlichen Beitrag zur Definition der Stellung des Ungarischen innerhalb der finno-ugrischen Sprachen geleistet. Er widerlegte die These Ármin Vámbérys über die Zugehörigkeit des Ungarischen zur türkisch-tatarischen Sprachfamilie und wies die enge Beziehung zwischen den drei ugrischen Sprachen Ostjakisch, Wogulisch und Ungarisch nach.
1856 gründete H. die erste ungarische Fachzeitschrift für Sprachwissenschaft „Magyar Nyelvészet“ (Ungarische Sprachwissenschaft) und redigierte 1862-1874 die Zeitschrift „Nyelvtudományi Közlemények“ (Sprachwissenschaftliche Mitteilungen). Zu seinen hier erschienenen wichtigsten Arbeiten zählen Abhandlungen über das Kondawogulische (1872) und über die nordostjakische Sprache (1875).
Im Rahmen seiner organisatorischen Tätigkeit lud H. 1858 den deutschen Sprachwissenschaftler Josef Budenz nach Ungarn ein, der die wissenschaftliche Nachfolge H.s in Ungarn antrat.
Im Zusammenhang mit seinen sprachwissenschaftlichen Forschungen schuf H. die Grundlagen der ungarischen Volkskunde, die er 1876 in seinem Buch „Magyarország ethnographiája“ (Die Ethnographie Ungarns) darstellte.

Literatur

Simonyi, Zsigmond (Hrsg.): Hunfalvy-Album. Hunfalvy Pál félszázados akadémiai tagsága emlékére. Budapest 1891.
Loványi, Gyula: Hunfalvy Pál életéből. In: Nyelvtudományi Közlemények 63 (1961) 3-20.
Lakó, György: Pál Hunfalvy. In: Acta lingu. Acad. Sci. Hung. 11 (1961) 5-7.

Verfasser

O. Zobel

GND: 117069116

Weiterführende Information (Deutsche Biographie): https://www.deutsche-biographie.de/pnd117069116.html


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Empfohlene Zitierweise: O. Zobel, Hunfalvy, Pál, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 2. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1976, S. 192-193 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=983, abgerufen am: (Abrufdatum)

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