Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

Pazvandoğlu, Osman Pascha
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Pazvandoğlu, Osman Pascha

Pazvandoğlu, Osman Pascha, osmanischer Rebell und Statthalter in Vidin, * bei Vidin 1758, † Vidin 05.02.1807, sein Großvater stammte aus Tuzla (Bosnien), und die Familie war vielleicht tatarischer Herkunft.

Leben

Als sein Vater Ömer Ağa, Ayan von Vidin, zu Beginn des Krieges mit Österreich und Rußland 1787-1792 wegen Widersetzlichkeit hingerichtet wurde, floh P. zunächst in die albanischen Berge, tauchte kurz beim Pascha von Peć (Ipek) auf und führte dann in der Walachei eine Freischar gegen die Österreicher. Wegen seines Kriegsruhmes begnadigt, konnte er 1792 nach Vidin zurückkehren und dort sowohl ein Vermögen anhäufen als auch eine große Schar Unzufriedener und Rebellen gegen Sultan Selim III. und dessen Reformpläne um sich versammeln, die in der Folgezeit unter den Namen Dağlı oder Kırcalı (Kŭrdžalija) bekannt wurden. Seine Parteinahme für die Janitscharen in Belgrad hatte eine vergebliche Belagerung Vidins 1795 durch den serbischen Statthalter Hacı Mustafa Pascha zur Folge, der im folgenden Jahr noch eine schwere Niederlage erlitt. Als die Pforte sich weiterhin unnachgiebig zeigte, rückten 1797 verschiedene Bandenführer nach Osten vor und eroberten Bulgarien bis Varna und Sofia; im Westen und Süden gelangten sie bis Niš und die Vororte von Belgrad. In der Walachei konnte P. jedoch durch die Einmischung der Großmächte zurückgehalten werden, und auch Ostbulgarien ging bis zum kommenden Frühjahr wieder verloren. Ab Mai 1798 wurde P. von Großadmiral Küçük Hüseyn Pascha in Vidin selbst vom Land wie vom Wasser her belagert, doch die Landung Napoleons in Ägypten zwang den Sultan zur Aufgabe der Unternehmung. Zugleich erbot P. seine Unterwerfung und ersuchte den abziehenden Pascha um Vermittlung; Selim III. gab nach, erhob P. zunächst zum Kapıcıbaşı, dann zum Wesir, unterstellte ihm auch den Sandschak Nikopol (Niğbolu) und ließ ihn die serbische Krajina behalten.
Ab 1800 schaltete sich P. erneut in die inneren Unruhen in Bulgarien ein und stieß gleichzeitig nach Serbien vor, wo sich die christliche Raja zur Verteidigung der osmanischen Zentralgewalt formierte, doch die Wiederherstellung der Janitscharen- herrschaft in Belgrad 1801 nicht hindern konnte. P. verlor seinen Wesirrang, als er sich auch mit dem bei Šumen (Şumnu) rebellierenden Nachkommen der Krimtataren Mehmed Giray verbündete und laut Gerüchten plante, diesen im Falle eines Erfolges zum Sultan und sich selbst zum Großwesir zu machen. 1802 wurde er unter der Bedingung begnadigt, sich nicht mehr in die Verhältnisse in der Walachei einzumischen.
Von nun an blieb P. dem Sultan treu. Nachdem ihm 1804 auch die Sandschake Vidin und Nikopol verliehen worden waren - bis dahin war P. offiziell nur Stadtkommandant (muhafız) von Vidin gewesen - nahm er auch an den Bemühungen Selims III. um die Niederwerfung des serbischen Aufstandes teil. An dem im Dezember 1806 gegen Rußland erklärten Krieg hatte er keinen Anteil mehr, da er kurz darauf starb. P. hat trotz seiner kurzen Herrschaft viel für die Verschönerung seiner Residenz getan, wovon noch heute Zeugnisse verhanden sind; in den fest in seiner Hand befindlichen Gebieten bemühte er sich um die Entwicklung des Landes und fand Zustimmung bei Muslimen wie Christen.

Literatur

Asım, Ahmed: Tarih. Bd 1. Istanbul o. J.
Cevdet Pascha, Ahmed: Tarih. Bd 6-8. Istanbul 1309/1891 f.
Georgiev, Jordan: Kŭrdžaliite i Osman Pasvantoglu. Tŭrnovo 1900.
Jelavić, Vjekoslav: Pazvan-Oglu od Vidina. (Izvješće francuskog pukovnika Mériage). In: Glasn. zemaljsk. Muz. 17 (1905) 173-216.
Jakšić, Grgur: Notes sur Passvan-oglou, 1758- 1807. In: La Revue slave 1 (1906) 261-279, 418-429; 2 (1906) 139-144, 436-448; 3 (1907) 138-144, 278-288.
Popov, L. I.: Prinos za izučvane minaloto na bŭlgarskoto otečestvo. In: Sbornik za narodni umotvorenija, nauka i knižnina 24 (1909) 1-157.
Orěškov, Petŭr N.: Několko dokumenta za Pazvantoglu i Sofronija Vračanski (1800-1812). In: Sbornik za Bŭlgarskata akademija na naukitě 3 (1914) 3-54.
Shaw, Stanford J.: Between Old and New. The Ottoman Empire under Sultan Selim III, 1789-1807. Cambridge, Mass. 1971.


GND: 1024151298

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Empfohlene Zitierweise: Hans-Jürgen Kornrumpf, Pazvandoğlu, Osman Pascha, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 3. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1979, S. 419-420 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1510, abgerufen am: (Abrufdatum)

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