Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Ahmed Pascha, Hersekoğlu

Ahmed Pascha, Hersekoğlu (Hersekzade), mehrmaliger osmanischer Großwesir, † 1516, Sohn des Stefan Vukčić Kosača und seiner zweiten Frau, der illegitimen Wittelsbacherin Barbara.

Leben

A. wurde als Loyalitätspfand in das Serail nach Istanbul geschickt und trat dort (wie manche meinen) nur nach außen hin zum Islam über, hielt aber seine Verbindungen zum Westen aufrecht. Nach dem Tode Mehmeds II. maßgeblich an der Schilderhebung Sultan Bayezids II. beteiligt, erhielt er dessen Tochter Hundi zur Frau und wurde zum Beylerbey von Anatolien ernannt. Im Kilikischen Krieg (1488) geriet er in mamlukische Gefangenschaft, konnte aber den Mamluken-Sultan so günstig beeinflussen, daß er vorzeitig heimkehren konnte. Zum Flottenbefehlshaber ernannt, scheiterte er infolge höherer Gewalt (Orkan) bei dem Flottenunternehmen gegen die Mamluken. Nach erneuter Bekleidung des anatolischen Beylerbey-Amtes wurde er etwa 1495 Kuppelwesir und 1497 zum ersten Mal Großwesir des Osmanischen Reiches.
Der beginnende schwere Konflikt mit Venedig führte zu seiner Enthebung vom Großwesirsamt, da er als ehemaliger venezianischer Edelmann in diesem Konflikt vielleicht als nicht ganz objektiv erscheinen konnte. An seine Stelle trat der türkisch-blütige Ibrahim Pascha, während er selbst wieder das Amt des Flottenchefs übernahm. Während des Krieges war er maßgeblich an der Eroberung Lepantos im Jahre 1499 und an den Operationen in der Morea (1500) beteiligt. Infolge der schiitischen Krise in Ostanatolien leitete A. im Aufträge des Sultans 1502-1503 heimliche Friedensverhandlungen mit dem in Istanbul internierten venezianischen Bailo Gritti ein. 1503 wurde A. zum zweiten Mal mit dem Großwesirsamt betraut, drei Jahre später aber wieder enthoben und erneut mit der Flottenführung beauftragt. 1511 wurde er nach dem Tod des Großwesirs Ali Pascha Hadim im anatolischen Schiitenaufstand zum dritten Mal Großwesir. Im Verfolg eines Janitscharenaufstandes gegen den von ihm begünstigten Bayezid-Sohn Ahmed ging er des Großwesirats verlustig und konnte nur mit Mühe seinen Kopf retten. Bayezids II. Nachfolger Selim I. ernannte A. 1512 wieder zum Großwesir, er wurde aber bereits nach zwei Jahren (1514) erneut des Amtes enthoben und 1516 zum Stadtkommandanten von Bursa ernannt. Im gleichen Jahr starb A., nach manchen Quellen auf der Pilgerfahrt nach Mekka.
A. war eine schillernde Persönlichkeit, gegen die mehrfach der Verdacht des Kryptochristianismus und undurchsichtiger Beziehungen zu verschiedenen christlichen Mächten erhoben wurde. Andererseits eignete er sich hervorragend für diplomatische Aufgaben im Verkehr mit westlichen Mächten. Als Diplomat spielte er eine besondere Rolle im Verkehr mit Venedig und mit dem Markgrafen von Mantua, Francesco II., der einer der Hauptinformanten des Sultans über die Vorgänge in Italien war. Aus der Ehe mit der Sultanstochter Hundi gingen 5 Söhne hervor.

Literatur

Babinger, Franz: Maometto il Conquistatore e il suo tempo. Turin 1957.
Heller, Erdmute: Venedische Quellen zur Lebensgeschichte des Ahmed Paša Hersek-oghlu. (Diss.), München 1961.
Kißling, Hans Joachim: Sultan Bâjezîd’s II. Beziehungen zu Markgraf Francesco II. von Gonzaga. München 1965 (mit Bibliographie).

Verfasser

Hans-Joachim Kißling (GND: 118723251)

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Empfohlene Zitierweise: Hans-Joachim Kißling, Ahmed Pascha, Hersekoğlu, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 1. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1974, S. 21-22 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=405, abgerufen am: (Abrufdatum)

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