Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Leunclavius, Johannes

Leunclavius, Johannes (Joannes Leonclajus, Hans Lewenklaw, Löwenklau und andere Namensformen), deutscher Historiker und Philologe, * Coesfeld (Westfalen) Ende Juli (?) 1541, † Wien Juni 1594.

Leben

 L. war von bescheidener Herkunft, die er bei Beginn seiner literarischen Tätigkeit zu Gunsten einer vorgeblich vornehmen Abstammung verleugnete. Ab 1555 legte er bei Melanchthon in Wittenberg den Grundstein für seine guten Griechischkenntnisse. Dank der finanziellen Unterstützung durch den kaiserlichen Rat und Feldobersten Lazarus von Schwendi kam L. für zwei Jahre an den Hof von Turin, wo er die „Reitkunst“ Xenophons ins Lateinische zu übersetzen begann. 1562 finden wir ihn an der Universität Heidelberg als Schüler von Wilhelm Holzmann (Xylander). Wahrscheinlich im folgenden Jahr wurde er Magister, 1565 sogar Dekan der Artistenfakultät. Dann begab sich L. nach Basel, wo er 1569 eine vollständige Xenophon-Edition mit lateinischer Übersetzung herausgab. Zwei Jahre später folgten Ausgaben des Gregor von Nyssa und des Gregor von Nazianz. Über die Theologen des Ostens kam L. zu den Chronisten des byzantinischen Reiches. Zwischen 1572 und 1576 erschienen von ihm Übersetzungen der Chronik des Michael Glykas, des Konstantin Manasses und der „Römischen Geschichte“ des Zosimos ins Lateinische. In dem schlesischen Freiherrn Friedrich von Kittlitz hatte L. einen neuen Mäzen gefunden, der seinen Lebensunterhalt und die Kosten der Suche nach den Handschriften bestritt. Durch die erste Edition der „LX librorum Basilikon“ (1575) wurde L. zum Begründer der byzantinischen Rechtsforschung. 1584 reiste er mit dem kaiserlichen Gesandten Heinrich von Liechtenstein nach Istanbul, wo er die Zeit zur Erlernung des Türkischen und zu Handschriftenstudien nützte. Nach seiner Heimreise über Venedig (1585) veröffentlichte er die „Annales Sultanorum Othmanidarum a Turcis sua lingua scripti“ (Frankfurt 1588, 2. Aufl. 1596). In den folgenden Jahren reiste L. als politischer Kundschafter des Kurfürsten Christian I.  von Sachsen zu den deutschen kalvinistischen Höfen. Nach Christians Tod wurde der böhmische Adelige Karl von Zierotin sein letzter Gönner. 1591 brachte er seine „Historiae Musulmanae Turcorum ... Libri XVIII“ heraus, zwei Jahre später den nachgelassenen „Kriegsdiscurs“ von Schwendis. 1593 begab sich L. von Wien aus ins Feldlager nach Gran und beschloß im folgenden Jahre nach der gescheiterten Belagerung der Stadt sein aufreibendes Leben in Wien. Aus seinem Nachlaß wurde 1596 das „Jus Graeco-Romanum“ ediert. L. stand als einer der glänzendsten Gelehrten seiner Zeit in vielfältigem Verkehr mit Männern wie Martin Crusius, Joachim Camerarius u. a. Als Förderer der Byzanz- Forschung und als Bahnbrecher der türkischen Studien hat er sich einen festen Platz in der Geschichte des Humanismus erworben.

Literatur

Babinger, Franz: Herkunft und Jugend Hans Lewenklaw’s. In: Westfälische Zeitschrift 98/99 (1949) 112-127.
Ders.: Nachtrag zur Abhandlung... „Herkunft und Jugend Hans Lewenklaw’s“. In: Ebd. 105 (1955) 97.
Ders.: Johann Lewenklaw’s Lebensende. In: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde 50 (1951) 5-26.

Verfasser

Gerhard Grimm (GND: 13735374X)

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Weiterführende Information (Deutsche Biographie): https://www.deutsche-biographie.de/pnd100188826.html


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Empfohlene Zitierweise: Gerhard Grimm, Leunclavius, Johannes, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 3. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1979, S. 27-28 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1247, abgerufen am: (Abrufdatum)

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