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Murgu, Eftimie, rumänischer Philosoph, Anführer der nationalen rumänischen Reformbewegung, * Rudăria (Kreis Caraş-Severin, Banat) 28.12.1805, † Ofen 12.05.1870.
Leben
M. studierte mit Auszeichnung Jurisprudenz und Philosophie in Szegedin und Pest, verzichtete aber zunächst auf die bequeme Laufbahn eines Rechtsanwalts oder Beamten in der Monarchie und ging statt dessen als Lehrer in die Donaufürstentümer. Zwischen 1834 und 1836 lehrte er Philosophie an der Şcoala Vasiliană und der Academia Mihăileană in Jassy und anschließend, bis 1840, in Bukarest. Er gehörte zu den ersten Lehrern, die Philosophievorlesungen in rumänischer Sprache veranstalteten und gilt als einer der Begründer des Philosophiestudiums in Rumänien. Eine ganze Generation rumänischer Studenten verdankte ihm ihre Prägung im Geiste des Rationalismus und der liberalen und demokratischen Überzeugungen. Aus dem liberalen Lehrer wurde bald ein Vorkämpfer gegen die Feudalordnung. In der Walachei stand M. der um Ion Cîmpineanu gruppierten Kleinbojaren- und Bürgerpartei „Partida naţională“ (Nationale Partei) nahe, die liberale Reformen verlangte. Im Jahre 1840 gehörte M. neben Nicolae Bălcescu und Jean A. Vaillant einem von Dimitrie Filipescu gegründeten konspirativen Geheimbund an, dessen Ziele die Bauernbefreiung vom ,Robot', die Aufhebung aller Standesprivilegien, ein Volksheer, eine demokratische Verfassung und die Einführung der republikanischen Herrschaftsform waren. Nach der Aufdeckung dieses Komplotts wurde M. als österreichischer Untertan aus der Walachei ausgewiesen. Er ließ sich im Banat, in Lugoj (Lugos), nieder und gründete hier einen Geheimbund nationalen Charakters, dem junge rumänische Offiziere aus den Banater Grenzregimentern und Bauern angehörten. Diese Vereinigung plante neben liberalen und sozialpolitischen Reformen die Lostrennung des Banats von Ungarn und seine Vereinigung mit Siebenbürgen und den beiden Donaufürstentümern zu einem rumänischen Staat. Wegen solcher revolutionärer und ,dako-rumänischer' Umtriebe wurde M. 1846 in Pest der Prozeß gemacht. Im Frühjahr des Revolutionsjahres 1848 befreite ihn die Bevölkerung von Pest aus dem Gefängnis und feierte ihn wie einen Helden. Während der Revolution trat M. zunächst als Anführer im Banat auf. Er berief und leitete die Nationalversammlung der Banater Rumänen vom 27. (15.) Juni 1848.
Zu den dort eingebrachten Forderungen gehörte auch die Schaffung einer rumänischen Verwaltung im Banat sowie die Loslösung der Banater orthodoxen Kirche von der serbischen Hierarchie. M. wurde in das Pester Parlament delegiert, wo er eine antihabsburgische und antirussische Haltung einnahm und sich für die rechtliche Gleichstellung aller Bürger und Nationen einsetzte. M. glaubte im Verlauf der Revolution 1848 durch die Zusammenarbeit mit den aufständischen Ungarn seinem Wunschziel eines ,Neuen Rumänien' näher kommen zu können, worunter er die Vereinigung aller Rumänen in einem freien Staat verstand. Daher unterhielt er ständige Kontakte zu Bukarest und zu den Exulanten aus der Moldau und der Walachei. Darum arbeitete er im August 1849 gemeinsam mit General Józef Bem einen Plan für die Erhebung der Bevölkerung der Donaufürstentümer aus und setzte sich damit dem Verdacht auch seitens der ungarischen Revolutionsregierung aus. Nach der Niederwerfung der Revolution wurde M. gefangengenommen und zum Tode durch den Strang verurteilt. Das Urteil wurde jedoch in eine vierjährige Haftstrafe umgewandelt, die er in der Haftanstalt von Josefstadt (Böhmen) verbüßte. Mit geschwächter Gesundheit und ohne die frühere Wirkung zu erreichen, nahm M. gegen Ende der neoabsolutistischen Ära Bach seine ehemalige politische und publizistische Tätigkeit wieder auf. Die letzten Lebensjahre verbrachte er als Rechtsanwalt in Budapest, fern und vergessen von seinen Landsleuten und ständig beschattet von den staatlichen Aufsichtsbehörden.
Literatur
Bogdan-Duică, Gheorghe: Eftimie Murgu. Bucureşti 1937.
Cheresteşiu, V.: Luptătorul revoluţionar Eftimie Murgu. In: Studii 9 (1956) 1, 65-85.
Murgu, Eftimie: Scrieri. Hrsg. I. D. Suciu. Bucureşti 1969 (mit Bibliographie).
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