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Piccolomini, Johann Norbert Graf, kaiserlicher General, * um 1651, † Priština 09.11.1689, naher Verwandter des bekannteren kaiserlichen Feldmarschalls Ottavio Piccolomini.
Leben
Nach einer glänzenden Erziehung trat P. noch in jungen Jahren in militärische Dienste, konnte sich aber erst in den Türkenkriegen von 1683 bis 1687 auf dem ungarischen Kriegsschauplatz einen Namen machen. Besonders fähig zeigte er sich unter dem Kommando Herzog Karls V. von Lothringen in der siegreichen Schlacht bei Harsány unweit von Mohács (12.08.1687). Nach der türkischen Niederlage von Niš (24.09.1689) zog P. mit 6000 Mann in das Amselfeld (Kosovo polje) und drang bis Skopje vor; kaiserliche Truppen besetzten Bosnien, Serbien und den größten Teil von Albanien.
Im Gegensatz zu anderen habsburgischen Befehlshabern zeigte sich P. äußerst diplomatisch bei der Behandlung der Bevölkerung der eroberten Gebiete, von der vor allem die Serben durch ihren Aufstand gegen die Osmanen die kaiserlichen Angriffsunternehmungen begünstigt hatten. So erreichte er, daß sich die vom griechisch-orthodoxen Patriarchen von Ipek (Peć), Arsenije III. Crnojević, geführten Serben unter kaiserlichen Schutz begaben; etwa 30 000 Familien wanderten nach Südungarn aus, wo sie unter Gewährung der politischen und kirchlichen Autonomie angesiedelt wurden. Mitten in den Verhandlungen darüber starb P. völlig unerwartet. Nach dem Tode des überaus fähigen Generals trat ein schwerer militärischer Rückschlag ein; im Herbst 1690 gingen alle Eroberungen südlich der Save, einschließlich Belgrads, wieder verloren.
Literatur
Schweigerd, C. A.: Oesterreichs Helden und Heerführer. Bd 2. Grimma 1853, 351-353.
Angeli, Moriz von: Der Feldzug 1689 in Serbien. In: Mitteilungen des k. u. k. Kriegsarchivs 2 (1877) 137 ff.
Gerba, Raimund: Die Kaiserlichen in Albanien 1689. In: ebd. N. F. 2 (1888) 115-178.
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