Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Alaeddin Pascha

Alaeddin Pascha (Bey), osmanischer Großwesir, † 1333?, Sohn des Eponymos der osmanischen Dynastie und des Begründers des Osmanischen Reiches Osman (Oṯmân).

Leben

Urkunden, die die Person des A. betreffen, sind nur in sehr geringer Zahl auf uns überkommen, wodurch wir in der Darstellung seines Lebenslaufs im Wesentlichen auf die Berichte der frühen osmanischen Chroniken angewiesen sind. Da die Fassungen dieser frühosmanischen Chroniken erst aus der zweiten Hälfte des 15. Jh.s stammen, sind sie bereits eine Wiedergabe legitimistischer osmanischer Traditionen und Legenden, derem Inhalt über die Anfänge der Reichsgründung nur bedingt vertraut werden darf. Den Chroniken zufolge hatten A. und Orhan, der Regentschaftsnachfolger Osmans, gemeinsam eine Mutter, Mal Hatun, die Tochter des Ahi Schejchs Edebalı, die aber, wenn man einer Urkunde aus dem Jahre 1324 Glauben schenkt, die Tochter eines gewissen Ömer Bey war.
Während der Regierungszeit Osmans soll A. zusammen mit seinem Großvater Edebalı auf der Burg Bilecik residiert haben und soll nach dem Tode Osmans das großzügige Angebot seines Bruders Orhan, die Herrschaft zu übernehmen, ebenso großzügig abgelehnt haben, um sich auf seinem Besitz in Kotra (Kudra), in der Gegend von Kete (Kite), zwischen Bursa und Mihaliç niederzulassen.
Der Tradition zufolge soll A. über einige Zeit auch das Amt eines Wesirs und des Oberbefehlshabers der Truppen eingenommen haben und der Initiator dreier wichtiger Maßnahmen gewesen sein: der Kleiderordnung, der Reorganisation des Heeres (Einführung der Fußtruppe, der Jaja) und der ersten osmanischen Münzprägung.
Hüseyin Hüsameddin, der das historische Material über A. untersucht hat, bezweifelt den Wahrheitsgehalt der Tradition und stellt vielmehr die Hypothese auf, derzufolge es zwischen A. und Orhan nach dem Tode Osmans zum Bruderkampfe um die Herrschaft kam, in dem A. unterlag. Er weist auch zum erstenmal hin auf die Verwechslung des A.-Bey mit einem gewissen Alaeddin Pascha, dem Sohne Kemaladdins, der Wesir Osmans und Orhans war, was aus den Chroniken nicht eindeutig hervorgeht.
A. starb um 1333 und wurde im Mausoleum Osmans in Bursa begraben. Nachkommen wurden noch Ende des 15. Jh.s erwähnt. In manchen türkischen Quellen wird A. auch Ali Pascha und in arabischen Quellen Erden Ali genannt.

Literatur

Giese, Friedrich (Hrsg.): Die altosmanischen anonymen Chroniken. Breslau 1922.
Ders.: Die altosmanische Chronik des ‘šiḳpašazâde. Leipzig 1929.
Kreutei, Richard F.: Vom Hirtenzelt zur Hohen Pforte. Graz, Wien, Köln 1959. = Osmanische Geschichtsschreiber. 3.
Hüseyin Ḥüsâm ed-Dîn [Yasar]: ‘Alâ’ ed-Dîn Bey. In: Türk Ta’rîḫ Enğümeni Meğmû'ası 14 (1924) 5/82, 307-318, 6/83, 380-384, 15 (1925) 8/85, 128-133, 9/86, 200-210.
Duda, Herbert W.: Baša-Beše. In: Festschrift für Wilhem Eilers. Wiesbaden 1967.

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Empfohlene Zitierweise: Anton Cornelius Schaendlinger, Alaeddin Pascha, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 1. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1974, S. 27-28 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=412, abgerufen am: (Abrufdatum)

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