Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Ali Suâvi

Ali Suâvi, osmanischer Gelehrter, Journalist und Revolutionär, * 1839, † Beşiktaş 21.05.1877, Sohn eines Handwerkers.

Leben

A. begann im Kriegsministerium zu arbeiten, noch bevor er das Gymnasium absolviert hatte. Daneben besuchte er weiterhin religiösen Unterricht in der Moschee, bestand darin eine Prüfung und konnte dann in Bursa, Simav und Filibe selbst unterrichten. Später war er in Sofia und Filibe Vorsitzender des Handelsgerichts. 1867 kehrte er nach Istanbul zurück, begann in Moscheen zu predigen und in der „Muhbir Gazetesi“ zu schreiben. Auf diesen beiden Wegen propagierte er seine Ideen des Laizismus und des Konstitutionalismus.
Zu dieser Zeit gehörte er auch der politischen Gruppe „Yeni Osmanlılar“ (Neue Osmanen) an, deren Mitglieder es sich zur Aufgabe gemacht hatten, der Tanzimat-Bewegung den Charakter einer sozialen Revolution zu verleihen.
A. machte sich in kurzer Zeit einen Namen, bald wurde aber die „Muhbir Gazetesi“ verboten und er selbst nach Kastamonu verbannt. Von dort aus ging er nach Paris, um sich den „Yeni Osmanlılar“, die die Zeitung „Hürriyet“ herausgaben, anzuschließen. Er übernahm die Aufgabe, nach London zu fahren, um dort die verbotene „Muhbir Gazetesi“ wieder erscheinen zu lassen. Als A. aber selbständig zu arbeiten begann, entstanden Streitigkeiten zwischen ihm, Nâmık Kemal und Ziya Pascha. Die „Muhbir Gazetesi“ stellte ihr Erscheinen ein und A. ging zurück nach Paris und veröffentlichte die Zeitung „Ulum“ (1870-1871).
Durch Said Paschas Vermittlung konnte A. nach Istanbul zurückkehren. Dort fand er eine Stellung als Dolmetscher im Serail und wurde schließlich Direktor des Galatasaray-Gymnasiums. Als er aber in eine Verschwörung verwickelt wurde, die Auswanderer aus Rumelien inszeniert hatten, um Ahdülhamid II. zu entthronen und Murad V. wieder an die Herrschaft zu bringen, wurde er von dem Kommandanten der Polizeiwache in Beşiktaş, Hasan Ağa (Pascha), niedergeknüppelt und erlag einer Kopfverletzung. Dieses Geschehnis ging in die Geschichte als das „Çırağan-Ereignis“ ein.
A. wurde von seinen Anhängern für einen Freiheitshelden gehalten, während seine Gegner in ihm einen Verräter sahen. Manche wollen sogar Abdülhamids II. 30 Jahre andauernden Zwangsvorstellungen mit diesem Ereignis in Zusammenhang bringen.
A. war kein bedeutender Mann, doch sprach er mit der Logik des Volkes. Als erster muslimischer Geistlicher der islamischen Geschichte heiratete er eine Christin. In seinem Werk „Herzegowina“, das 1875 in Paris erschien, ist er selbst der Held, der durch Reisen innerhalb des Imperiums, durch Menschenkenntnis und Erfahrung ein Gelehrter wurde. In „Montenegro“ (1876) will er zeigen, wie der Europäer den Orient sieht. A. war auch der Erste, der das Türkische von Elementen der arabischen und persischen Grammatik befreien wollte, der aber den gewordenen Wortschatz als den Reichtum der Sprache ansah.

Literatur

Danişmend, Ismail Hâmi: Ali Suâvi’nin Türkçülüğü. Istanbul 1942.
Kuntay, Mithat Cemal: Sarıklı Ihtilalci Ali Suâvi. Istanbul 1946.
Atay, Falih Rıfkı: Başveren Inkilapçı. Istanbul 1958(2).

Verfasser

Buğra Atsız (GND: 103703985)

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Empfohlene Zitierweise: Buğra Atsız, Ali Suâvi, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 1. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1974, S. 62-63 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=446, abgerufen am: (Abrufdatum)

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