Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Selim II.

Selim II. („Sarı Selim“), osmanischer Sultan 1566-1574, * Istanbul 30.05.1524 (?), † ebd. 13.(?)12.1574, Sohn Sultan Süleymans I.

Leben

 Nach einer guten Ausbildung am Hof wurde S. 1542 zum Gouverneur (Sancak-Bey) von Konya ernannt; 1544 übernahm er dieses Amt in Manisa, während sein Bruder Bayezid seine Nachfolge in Konya antrat. Süleyman I. hatte in seinem Sohn Mustafa den Thronerben gesehen, Roxelane (Hürrem Sultan) jedoch, die Mutter von S. und Bayezid, suchte einen ihrer Söhne als Thronfolger durchzusetzen. Ihren Intrigen fiel 1553 Mustafa zum Opfer, S. und Bayezid verblieben als einzige Anwärter auf den Thron. Zwischen diesen beiden kam es zu erbitterter Rivalität, die nach dem Tod ihrer Mutter 1558 offen ausbrach: 1559 wurde Bayezids Heer von der Armee seines Bruders geschlagen, Bayezid suchte Zuflucht beim Schah von Persien, der ihn nach langen Verhandlungen mit den Osmanen 1561 töten ließ. So aller Rivalen ledig, konnte S. nach dem Tod seines Vaters 1566 unangefochten den Thron besteigen. Lediglich die Janitscharen hinderten ihn am Einzug in die Hauptstadt, bis er ihnen höhere Thronbesteigungsgeschenke versprach. S. enthielt sich weitestgehend der Politik und überließ die Staatsgewalt dem Großwesir Sokollu Mehmed Pascha, der die expansive Politik Süleymans I. fortführte, zunächst durch die Eroberung von Chios 1567. Das wesentlichste Ereignis der osmanischen Mittelmeerpolitik jener Jahre war die Eroberung Zyperns 1570-1571. Um sich Zypern zu erhalten, verbündete sich Venedig mit dem Papst und Spanien. Die gemeinsame Flotte unter Don Juan d’Austria konnte am 7. Oktober 1571 bei Lepanto den Osmanen eine Niederlage beibringen. Dieser Sieg wurde als erster Triumph des Abendlandes über die Türken überschätzt: An den Machtkonstellationen änderte er nichts; Venedig mußte im Frieden von 1573 auf Zypern verzichten und Kriegsentschädigung leisten. Spanien führte den Krieg bis 1574 weiter, bis es Tunis wieder verlor und die Osmanen somit ihre Herrschaft über Nordafrika konsolidieren konnten. Weniger erfolgreich verlief der Feldzug gegen Astrachan 1569, die osmanische Antwort auf russische Vorstöße in diesem Gebiet. Der Plan, einen Kanal zwischen Don und Wolga zu bauen, um der osmanischen Armee den Weg zur persischen Nordgrenze zu öffnen, konnte nicht verwirklicht werden. Dadurch blieb es an der persischen Grenze während der Regierungszeit von S. ebenso ruhig wie am anderen Hauptkriegsschauplatz der Osmanen, an der Grenze gegen Habsburg. Mit Kaiser Maximilian II. hatte S. am 17. Februar 1568 den Frieden von Adrianopel geschlossen, der den bestehenden Besitzverhältnissen Rechnung trug. Dagegen kam es 1568 zu einem Feldzug gegen den Jemen, der 1570 mit der Wiedereroberung des Landes endete. Die Regierungszeit von S. wird als Beginn des Verfalls des Osmanischen Reiches angesehen. Der glaubenskriegerische Expansionsdrang, das prägende Element dieses Staates seit seiner Entstehung, wurde allmählich durch statischere Verhältnisse abgelöst, was zu krisenhaften Veränderungen im Staatsaufbau führte. Kennzeichnend dafür ist, daß S. als erster Sultan nicht an den Feldzügen teilnahm und als erster die Regierungsgewalt anderen überließ, in diesem Fall dem Sokollu Mehmed Pascha. Ihm ist es zu verdanken, daß sich der beginnende Niedergang nicht als äußerer Machtverfall zeigte. Daneben waren es der große islamische Rechtsgelehrte Ehusuud Efendi, der portugiesisch-jüdische Finanzier („Fugger des Orients“) Joseph Nassi und der greise Hofarchitekt Sinan, der für S. sein Meisterwerk, die S.-Moschee in Edirne schuf, die die Mittelmäßigkeit dieses Herrschers nicht so deutlich werden ließen.

Literatur

Hammer: Bd 3.
Zinkeisen: Bd 2.
Inalcık, Halil: Osmanlı-Rus rekabetinin menşei ve Don-Volga kanalı teşebbüsü (1569). In: Belleten XII/46 (1948) 349-402.
Turan, Şerafettin: Kanunî’nin oğlu şehzade Bayezid vak’ası. Ankara 1961.
Ders.: Selim II. In: Islam Ansiklopedisi. Bd 10. Istanbul 1971(2), 434-441.
Uzunçarşılı, Ismail Hakkı: Osmanlı Tarihi. Bd 3/1. Ankara 1951, 1973(2).
Parry, Vernon John: The Successors of Sulaimân, 1566-1617. In: A History of the Ottoman Empire. Hrsg. Michael Allan Cook. Cambridge 1976, 103-132.

Verfasser

Hans-Peter Laqueur (GND: 109535731)

GND: 1051302617

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