Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

Konstantin XI. (XII.) Palaiologos
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Konstantin XI. (XII.) Palaiologos

 Konstantin(os) XI. (XII.) Palaiologos (auch Konstantin Dragases), Despot von Morea 1428-1448, byzantinischer Kaiser 1449-1453, * Konstantinopel 9.02.1404, † ebd. 29.05.1453, vierter Sohn Manuels II. Palaiologos und der Helene Dragaš.

Leben

 Nach dem Tode seines Vaters und während der Herrschaft seines Bruders Johannes VIII. wurde K. - zusammen mit seinen Brüdern Theodor und Thomas - 1428 mit dem Titel Despot Regent über die byzantinische Teilherrschaft Morea. K. blieb hier Herrsdaer bis 1448. Im Juli 1428 ging er eine erste Ehe mit Magdalena Tocco, nach deren frühem Tod (November 1429) im Juli 1441 eine Ehe mit Katharina Gattilusi (gest. August 1442) ein. K. vermochte den byzantinischen Besitzstand auf der Halbinsel Morea durch den Gewinn von Patras zu mehren. 1446 jedoch gelang es Sultan Murad II., Morea zu besetzen und tributpflichtig zu machen. Nach dem Tode Johannes’ VIII. am 31. Oktober 1448 wurde K. zum Kaiser erhoben und am 6. Januar 1449 zu Mistra als Kaiser gekrönt. Erst am 12. März landete der Herrscher in Konstantinopel, der damals bereits, abgesehen von geringen Vorfeldern vor der Stadtmauer, zu Lande allseits von türkisch beherrschtem Gebiet umgebenen Hauptstadt. Die politische Situation raubte dem Herrscher für die wenigen Jahre seiner Regierung, angesichts der völligen Machtlosigkeit des griechischen Restreiches, jegliche Möglichkeit eigener politischer Initiativen. Sein überragender geschichtlicher Antipode war der junge türkische Thronfolger Mehmed II., der unmittelbar nach seiner Regierungsübernahme nach dem Tode Murads II. im Februar 1451 sich als erstes großes militärisches Ziel die Eroberung Konstantinopels setzte. Nach umfangreichen Vorbereitungen, beispielsweise dem Bau einer den ganzen Bosporus beherrschenden Festung (Rumeli Hissar) unweit der griechischen Flauptstadt, begann am 7. April 1453 die Belagerung Konstantinopels, die am 29. Mai des gleichen Jahres mit der Eroberung der Stadt endete. Zuvor aber wurde der Kaiser noch zum Zeugen einer völligen religiösen Zerrissenheit des Reiches in der Diskussion um die Verwirklichung der vom Konzil von Ferrara-Florenz beschlossenen Union mit der römischen Kirche (12.12.1452). Das Portrait des Herrschers, der in vorderster Linie kämpfend mit der Stadt und dem Reiche gleichzeitig den Untergang fand, sticht kraft seiner heroischen Echtheit ab von dem Pathos schwächlicher antiker und neuzeitlicher Tyrannen. Mit dem Tode K.s endete die Geschichte des byzantinischen Kaiserreiches und die Epoche mittelalterlicher griechischer Geschichte. Nach seinem Tode übernahm Rußland die Idee des Imperium Romanum als „drittes Rom“ und als Hort der christlichen Orthodoxie.

Literatur

Babinger, Franz: Mehmed der Eroberer und seine Zeit. München 1953.
Papadopulos, A. Th.: Versuch einer Genealogie der Palaiologen (1259-1453). Amsterdam 1962 (Nachdruck).
Runciman, Steven: Die Eroberung Konstantinopels 1453. München 1966.

Verfasser

Peter Wirth (GND: 132882191)


GND: 119024659

Weiterführende Informationen: https://prometheus.lmu.de/gnd/119024659

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Empfohlene Zitierweise: Peter Wirth, Konstantin XI. (XII.) Palaiologos, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 2. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1976, S. 462-463 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1170, abgerufen am: (Abrufdatum)

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