Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

Klebelsberg, Kunó Graf
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Klebelsberg, Kunó Graf

Klebelsberg, Kunó Graf, ungarischer Politiker, * Magyarpécska (Komitat Arad, heute Rovine) 13.11.1875, † Budapest 11.10. 1932, aus einer Offiziers- und Beamtenfamilie.

Leben

K. besuchte das Gymnasium der Zisterzienser in Stuhlweißenburg und studierte in Budapest und Berlin Rechts- und Staatswissenschaften. Das Interesse für das deutsche wissenschaftliche und politische Leben prägte sein ganzes weiteres Leben. Er promovierte 1898, doch bekleidete er bereits ab 1897 verschiedene Funktionen im Ministerpräsidium. Allmählich gewann er hier einen immer größeren Einfluß auf die Nationalitätenangelegenheiten. Als persönlicher Anhänger von Ministerpräsident Graf István Tisza wurde K. 1914-1917 Staatssekretär im Kultusministerium und 1917-1918 politischer Staatssekretär im Ministerpräsidium. In der letzten Phase der Monarchie vertrat er außerdem Klausenburg im Parlament. K. war einer der wichtigsten Vertreter jener Richtung, die bei den Autonomiebestrebungen der Nationalitäten anstelle der früheren „alt-chauvinistischen“ eine neue „geduldigere“ Nationalitätenpolitik befürworteten. Nach dem Krieg und den Revolutionen wirkte K. entscheidend an der Konsolidierung des Horthy-Regimes mit. Bereits im Februar 1919 hatte er zusammen mit Graf István Bethlen die „Partei der Christlichen Nationalen Einheit“ (Keresztény Nemzeti Egyesülés Pártja = KNEP) auf gebaut. 1920 wurde er Abgeordneter der „Vereinigten Christlichen Partei“ (Egyesült Keresztény Párt), 1922 erhielt er das Mandat der „Einigkeitspartei“ (Egységes Párt). Vom 3. Dezember 1921 bis 16. Juni 1922 war er Innenminister und anschließend bis zum 24. August 1931 Kultusminister. Als theoretisch gebildetster ungarischer Politiker der Nachkriegszeit war K. durch seine publizistische Tätigkeit Vorkämpfer der als Reaktion auf die Revolutionen entstehenden konservativen Reform, wobei er sich von den Bestrebungen der bereits in den zwanziger Jahren auftretenden Rechtsextremisten abzugrenzen wußte. Das Ziel des von ihm vertretenen „Neonationalismus' Suprematie Ungarns über die neuen Nachbarländer. Auch seine kulturpolitische Tätigkeit diente diesem politischen Ziel. Als Kultusminister führte K. mehrere Schulreformen durch, in deren Rahmen das ungarische Unterrichtswesen organisatorisch modernisiert wurde. Den politischen Zielsetzungen des Regimes entsprechend organisierte er das ungarische Mittelschulnetz neu und gründete Volksschulen in den entlegensten ländlichen Gebieten. Nach dem Versailler Vertrag gründete er anstelle der der Tschechoslowakei und Rumänien zugefallenen ungarischen Universitäten neue (Szegedin, Fünfkirchen) bzw. modernisierte die bestehenden Universitäten. Bedeutend waren K.s Maßnahmen zur Schaffung der organisatorischen Grundlagen der modernen ungarischen Wissenschaftspolitik. Er regelte die staatliche Subventionierung der wissenschaftlichen Institutionen und begründete eine Reihe geisteswissenschaftlicher Institute im Ausland (Wien, Berlin, Rom, Warschau u. a.) und naturwissenschaftlicher Institute im Inland (das Observatorium, das Institut für Hydrobiologie u. a.) und durchbrach so die Isolation des ungarischen Geisteslebens. Die Herstellung guter Beziehungen zu den deutschen Wissenschaftspolitikern der zwanziger Jahre (Carl Heinrich Becker, Friedrich Schmidt-Ott, Adolf von Harnack) und zum wissenschaftlichen Leben der Weimarer Zeit war sein Verdienst. K.s wissenschaftspolitische Werke enthalten viele neue Ideen und Vorstellungen. Als erster in der europäischen Fachliteratur löste er aufgrund der Erfahrungen von Wilhelm von Humboldt und der deutschen Wissenschaftsorganisation mehrere Fragen der modernen Wissenschaftspolitik und -Organisation. Er tat besonders viel für die organisatorische Entwicklung der ungarischen Geschichtswissenschaft. K. organisierte das „Ungarische Landesarchiv“ und die „Ungarische Historische Gesellschaft“ (deren Vorsitzender er 1916 bis 1932 war) neu, und es war seiner Anregung zu verdanken, daß mit der Herausgabe der neuzeitlichen Quellen Ungarns (Fontes Históriáé Hungaricae Aevi Retentioris) begonnen wurde. K.s Reden, Artikel und Gesetzentwürfe im Dezennium 1916-1926 wurden 1927 in Budapest herausgegeben. Seine bedeutendsten Werke sind: „Neonacionalizmus“ (1928), „Jőjjetek harmincas évek“ (Kommt, dreißiger Jahre, 1929), „Világválságban“ (In einer Weltkrise, 1931).

Literatur

Húszti, József: Gróf Klebelsberg Kunó életműve. Budapest 1942.
Balogh, Sándor: Klebelsberg és a magyar „neonacionalizmus“. In: Valóság 2 (1959) 3, 22-30.
Glatz, Ferenc: Klebelsberg tudománypolitikai programja és a magyar történettudomány. In: Századok 103 (1969) 1176-1200.
Ders.: Historiography, cultural policy and the organisation of scholarship in Hungary in the 1920s. In: Acta hist. Acad. Sci. Hung. 17 (1971) 273-293.

Verfasser

Ferenc Glatz (GND: 170576051)

GND: 119321343


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Empfohlene Zitierweise: Ferenc Glatz, Klebelsberg, Kunó Graf, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 2. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1976, S. 412-414 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1134, abgerufen am: (Abrufdatum)

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