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Sava Petrović Njegoš, Bischof (Vladika) von Montenegro 1735-1781, * Njeguši ca. 1700, † Stanjevići 26.02.1781.
Leben
Als Vetter von Bischof Danilo wurde S. 1735 von der montenegrinischen Stammesversammlung zu dessen Nachfolger gewählt. Unmittelbar nach seinem Amtsantritt kam es zum Krieg zwischen Rußland und der Türkei, dem sich auch Österreich anschloß. Obwohl Montenegro davon nicht unmittelbar betroffen war, hatte es nach dem Friedensschluß von Belgrad (18.09.1739) Gegenmaßnahmen der Türken zu befürchten, da während des Krieges die üblichen Grenzüberfälle nicht nur nicht aufhörten, sondern sogar noch gesteigert wurden. Bereits 1740 und 1741 kam es zu, allerdings erfolglosen, türkischen Angriffen von Bosnien her; gleichzeitig war auch das Verhältnis zu Venedig gespannt. Die Venezianer waren nicht gewillt, das von S. beanspruchte Jurisdiktionsrecht über die orthodoxen Christen in der Boka anzuerkennen. Gleichzeitig standen sie den montenegrinischen Versuchen, zum Königreich Beider Sizilien Kontakt aufzunehmen, mißtrauisch gegenüber. Diese Kontakte gingen zunächst von neapolitanischer Seite aus: Ein in neapolitanischen Diensten stehender Offizier namens Giorgio Caraffa warb mit Erlaubnis S.s (der dafür Geld erhielt) Truppen für das „Reggimento Real Macedone“ in Montenegro und in der Brda. Diese Truppen Werbungen dauerten bis zum Beginn der 1750er Jahre an, brachten jedoch keine außenpolitische Unterstützung Montenegros von seiten Neapels mit sich. Die einzige Macht, von der S. glaubte Hilfe erwarten zu können, war Rußland, zu dem bereits seit Peter dem Großen Beziehungen bestanden. Mitte September 1742 beschloß eine montenegrinische Stammesversammlung, den Vladika nach Rußland zu schicken. Über Zadar, Fiume, Laibach und Wien reiste S. nach St. Petersburg, wo er im April 1743 eintraf. Die Zarin Elisabeth ging auf die politischen Wünsche S.s (Anerkennung der montenegrinischen Unabhängigkeit) zwar nicht ein, erklärte sich aber bereit, Montenegro finanziell zu unterstützen und gewährte S. auch Mittel zum Kauf von Kultgegenständen und Büchern für die montenegrinische Kirche. Außerdem sollte sich der russische Botschafter in Konstantinopel, Aleksej Višnjekov, bei der Pforte für die montenegrinischen Belange einsetzen. Ende Mai 1744 begab sich S. wieder auf die Heimreise. Die Rußlandreise blieb die einzige außenpolitische Aktion S.s; nach seiner Rückkehr nach Montenegro (November 1744) überließ er die politischen Geschäfte weitgehend seinem Vetter Vasilije Petrović, der ihn auch während seiner Abwesenheit in Cetinje vertreten hatte. Offiziell blieb er allerdings der erste Mann, obwohl er bei den montenegrinischen Stämmen immer mehr an Einfluß verlor und zurückgezogen in den Klöstern Majina und Stanjevići lebte. Nach dem Tode Vasilijes (1766) ernannte er seinen Schwager Arsenije Plamenac zum Nachfolger, der 1767 von dem geflüchteten serbischen Patriarchen Vasilije Brkić-Jovanović zum Bischof geweiht wurde. Dem zur gleichen Zeit in Montenegro auftauchenden Šćepan Mali stand S. zunächst ablehnend gegenüber, bezeichnete ihn als Lügner, wurde, nachdem sich dieser durchgesetzt hatte, 1768 gefangengesetzt, bald jedoch als ungefährlich wieder freigelassen. Nach der Ermordung Šćepan Malis (1773) spielte S. dann wieder eine bescheidene politische Rolle. 1775 und 1777 entsandte er Gesandtschaften nach Rußland, um die durch das Auftreten des „Lügenzaren“ getrübten russisch-montenegrinischen Beziehungen wieder zu normalisieren. S. starb in dem von ihm gegründeten Kloster Stanjevići. Unter S. nahm die Stammesanarchie in Montenegro wieder zu, das Amt des „Gover- nadurs“ gewann an Bedeutung und das des „Vladika“ wurde weitgehend auf den geistlichen Bereich beschränkt.
Literatur
Stanojević, Gligor: Seoba Crnogoraca u Kraljevinu Dveju Sicilija sredinom XVIII vijeka. In: Glasnik Etnografskog instituta SAN 9/10 (1960/61) 171-177.
Ders.: Crna Gora pred stvaranje države 1773-1796. Beograd 1962.
Pavićević, Branko: Vladika Sava Petrović u Rusiji 1743-1744. godine. In: Istorijski časopis 14/15 (1963/65) 93-109.
Istorija Crne Gore. Bd III/1. Titograd 1975.
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