Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Mustafa Pascha, Sokollu

Mustafa Pascha, Sokollu, osmanischer Beylerbey, * Sokol (südlich Višegrad, Bosnien), † (hingerichtet) Ofen 30.09. oder 01.10. 1578.

Leben

M. stammte wie sein berühmter Vetter, Sokollu Mehmed Pascha, aus der bekannten bosnischen Familie Sokolović. Nachdem Sokollu Mehmed die Würde eines Waffenträgers im Großherrlichen Serail erlangt hatte, ließ er mehrere Verwandte - unter ihnen den jungen M. - nach Istanbul kommen. Vorerst wurde M. im Serail zu Galata und dann in der Großherrlichen Serailschule erzogen. Nach Abschluß der Ausbildung hatte er verschiedene Ämter wie das des Truchsesses, Kleinstallmeisters, des Oberhaupts der Falkoniere und des Steuereintreibers in Bosnien inne. Im Juli 1546 wurde er zum Defterdar von Temeschwar ernannt. Sodann bekleidete er die Funktion eines Sandschakbeys in Fülek, dann in Klis, ab 1550 in Szegedin und nachher in der Herzegowina. M. wurde dann zum Beylerbey befördert: Er erhielt zuerst die Großstatthalterschaft von Bosnien und am 3. September 1566 die von Ofen, eine Stelle, die er zwölf Jahre lang bis zu seiner Hinrichtung behielt. Damit war er derjenige Ofner Beylerbey, der diese Funktion am längsten ausübte. Die Zeit von M.s Statthalterschaft in Ofen wurde durch den Frieden an der Westfront des Osmanenreiches geprägt. Somit vollbrachte M. seine wichtigsten Leistungen nicht auf dem Schlachtfeld. 1567, nach dem siegreichen Abschluß des Feldzugs nach Szigetvár, wurde M. von der Pforte beauftragt, nach dem Friedensschluß die weiteren Verhandlungen zu führen. Überhaupt war es M.s wichtigstes Anliegen, den Frieden mit Österreich zu wahren, um die ungestörte Entwicklung des ihm anvertrauten Wilajets zu gewährleisten. M. war ein bedeutender Mäzen der islamischen Baukunst. Er ließ in Ofen wie auch in anderen Städten seines Wilajets viele Gebäude und kulturelle Institutionen errichten: Vier Freitagsmoscheen, mehrere Moscheen, Bäder, Karawansereis, Hochschulen und Schulen. Er war außerdem bemüht, die Burg von Ofen neu auszubauen und vor allem zu befestigen. M. war - obwohl ein frommer Muslim - in religiöser Hinsicht sehr tolerant. So kümmerte er sich darum, für die Ofner Protestanten Pastoren aus dem Königlichen Ungarn zu bestellen. Freilich war M. vom im Osmanenreich damals schon üblichen Nepotismus nicht frei: Er besetzte viele einträgliche Stellen und Pfründen seines Wilajets mit seinen bosniakischen Verwandten und Bekannten. Am 30. September oder 1. Oktober 1578 wurde M. auf Anordnung Sultan Murads III. hingerichtet. Offiziell wurde er für einen Blitzschlag verantwortlich gemacht, der den Ofner Pulverturm getroffen hatte, wodurch dann ein großer Teil von Ofen und sogar von Pest zerstört worden war. Weiterhin warf man ihm vor, daß er sich früher geweigert hatte, eine Schwester des Sultans zu heiraten. In Wirklichkeit aber fiel M. der Säuberung zum Opfer, deren Zweck die schrittweise Entmachtung des Großwesirs Sokollu Mehmed war.

Literatur

Gévay, Anton von: Versuch eines chronologischen Verzeichnisses der türkischen Statthalter von Ofen. In: Der österreichische Geschichtsforscher 2 (1841) 56-90, insbes. S. 61.
Süreyya, Mehmed: Sicill-i Osmânî. Bd 4. Istanbul 1311 (1893/94), 377.
Takáts, Sándor, Ferenc Eckhardt u. Gyula Szekfű (Hrsg.): A budai basák magyar nyelvű levelezéze. I. 1553-1589. Budapest 1915.
Takáts, Alexander von: Vezir Szokolli Musztafa Pascha (Der große Musztafa). In: Ung. Rdsch. 4 (1915) 788-813.
Refik, Ahmed: Sokollu (911:987). Istanbul 1924 (serbokroatische Ausgabe: Sokolović. Sarajevo 1927).
Fekete, Lajos: Budapest a törökkorban. Budapest 1944.
Káldy-Nagy, Gyula: Harács-szedők és ráják. Török világ a XVI. századi Magyarországon. Budapest 1970, 89-105: Szokollu Musztafa budai pasa.
Samardžić, Radovan: Mehmed Sokolović. Beograd 1971.

Verfasser

Josef Matuz (GND: 119025671)

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Empfohlene Zitierweise: Josef Matuz, Mustafa Pascha, Sokollu, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 3. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1979, S. 279-280 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=1425, abgerufen am: (Abrufdatum)

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