Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas

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Bushatlliu

Bushatlliu, albanische Paschadynastie. Die Herkunft der Familie ist umstritten - einige behaupten, sie stamme ursprünglich aus Kleinasien, andere nennen die B. Nachfahren der Crnojevići aus Montenegro, andere nehmen eine albanische Herkunft (aus der Familie der Dukagjini) an. Als eigentlichen Begründer der Dynastie, die über ein dreiviertel Jh. lang Nordalbanien beherrschte, kann man Mehmed Pascha Plaku (d. h. der Alte) ansehen.

Leben

Mehmed Pascha Plaku, † Skutari 14.07.1775, war zunächst Bey von Bushati (südlich von Skutari) und übernahm 1757, mit Billigung der Pforte, die Statthalterschaft über den Sandschak von Skutari. Es gelang ihm, die rivalisierenden Feudalherren auszuschalten und die „feudale Anarchie“ in Nordalbanien zu beenden. Während seiner Herrschaft in Skutari konnte er auch die Nachbarbezirke (Ulcinj, Alessio, Tirana und Elbasan) unterwerfen. Dabei kam ihm zu Hilfe, daß er die Unterstützung der nordalbanischen Bergstämme, vor allem der Mirditen, gewann. 1768, zu Beginn des russisch-türkischen Krieges, wurde er von Mustafa III. aufgefordert, sich an die Front zu begeben. Dieser Aufforderung folgte er aber nicht, sondern sammelte statt dessen ein Heer von 2500 Mann, verbündete sich mit dem Kapetan der Mirdita Gjon Marku und versuchte, Alessio zu erobern, was ihm aber erst zwei Jahre später (1770) gelang. Im gleichen Jahre begab er sich im Auftrag des Sultans mit 20 000 albanischen Soldaten nach Morea, um einen Aufstand der Griechen zu unterdrücken. Als Belohnung dafür wurde sein Sohn Mustafa Pascha von der Pforte zum Mutasarref von Dukagjin und 1771 auch von Elbasan ernannt. Als sein Verdienst ist vor allem anzusehen, daß es ihm gelang, Nord- und Mittelalbanien zu einer politischen Einheit zu vereinigen. Er gilt deshalb heute in Albanien als einer der Vorkämpfer der nationalen Wiedergeburt dieses Landes.
Kara Mahmud Pascha, Statthalter von Skutari, * 1749/54, † 22.09.1796, Sohn des Mehmed Pascha Plaku. Der Zeitpunkt seiner Machtübernahme in Skutari ist nicht genau bekannt; er war wahrscheinlich schon während der Regierung seines älteren Bruders Mustafa Kaymakam. In offiziellen Dokumenten taucht er das erste Mal 1778 als Pascha von Skutari auf. Von der Pforte zunächst nicht anerkannt, mußte er auch den Widerstand albanischer Feudalherren überwinden, von denen Ahmed Kurt Pascha von Berat der gefährlichste war. 1779 gelang es Mahmud Pascha, seinem Rivalen Tirana abzunehmen; im gleichen Jahr gewann er auch Kruja, das damals die Familie Toptani beherrschte, bald darauf Elbasan. Zu seinem Herrschaftsgebiet gehörten somit ganz Nord- und der größte Teil von Mittelalbanien. Dann wandte er sich nach Norden: Der Tradition nach ein Nachkomme der Crnojevići, glaubte er Ansprüche auf Montenegro zu haben. Im Juni und Juli 1785 überfiel er Pastrović, ein Gebiet, das zum Territorium der Republik Venedig gehörte und drang von dort aus bis Cetinje vor; die Venezianer konnten keinen ernsthaften Widerstand leisten. Beschwerden bei der Pforte blieben zwecklos, da diese erklärte, Mahmud Pascha sei ein Rebell und sie für seine Taten nicht verantwortlich. Abdülhamid I., besorgt über den Machtzuwachs Mahmud Paschas, sammelte jedoch noch 1786 bei Sofia ein Heer von 12 000 Mann, das aber nur bis Peqini im Shkumbi-Tal kam, da es inzwischen an der bosnischen Grenze zu Kampfhandlungen mit den Österreichern gekommen war. Der gleichzeitig beginnende Krieg mit den Russen enthob Mahmud Pascha zunächst weiterer Gefahr von Seiten der Pforte. Er konnte es sich sogar leisten, die vom Sultan geforderten 10 000 Mann Hilfstruppen zu verweigern, sammelte vielmehr selbst ein Heer und schlug die Truppen des Beylerbeys von Rumelien im Mai 1787 auf dem Kosovo polje. Einer im August in Durazzo und Ulcinj gelandeten türkischen Armee unter dem Befehl des Albaners Çerkes Hasan Pascha gelang es jedoch, ihn in der Festung von Skutari einzuschließen. Während eines Aufstandes seiner Anhänger, der auch von den christlichen Malisorenstämmen unterstützt wurde, gelang ihm aber am 25. November 1787 ein Ausfall; die türkischen Truppen ergriffen die Flucht. Dieser Erfolg bewog die kriegführenden Mächte Österreich und Rußland, Verbindung zu ihm aufzunehmen und Mahmud Pascha zur Wiederaufnnahme des Kampfes zu ermutigen. Der russische Gesandte in Venedig Mordvinov forderte gleichzeitig die Montenegriner auf, Mahmud Pascha Waffenhilfe zu leisten. Dieser ließ sich zunächst auch auf Verhandlungen ein, die jedoch zu keinem Ergebnis führten; es ist offensichtlich, daß der Pascha nur den Sultan unter Druck setzen wollte, um die geforderte Verzeihung zu erlangen. Die österreichische Offiziersdelegation unter der Leitung von Brognard ließ er während einer Fahrt auf dem Skutarisee ermorden und trat dann in den Krieg gegen die Österreicher auf Seiten des Sultans ein. Bald nach Friedensschluß (1791 bzw. 1792) erhob er sich jedoch erneut gegen die Pforte. Mit nur 2000 Mann in der Festung von Skutari eingeschlossen, gelang ihm dennoch am 6. September 1793 ein Ausfall aus der Festung, worauf die türkischen Truppen wiederum die Flucht ergriffen. Weder eine Beschießung der Festung, noch der Versuch, durch eine Blockade der nordalbanische Küste die Nachschubverbindungen Mahmud Paschas abzuschneiden, zeigten den gewünschten Erfolg. Da Mahmud dennoch eine dritte militärische Expedition der Regierungstruppen nicht riskieren wollte, bat er im März 1794 den spanischen Botschafter in Istanbul Bouligny um Vermittlung beim Sultan - eine Aktion, die im folgenden Jahre zur vollen Befriedigung des Paschas abgeschlossen wurde. Dieser konnte sich nun wieder seinem alten Plan, nämlich Montenegro in seine Gewalt zu bringen, zuwenden. Die vereinigten montenegrinischen Stämme brachten seinen Truppen aber im Juli 1796 bei Martinić und im September im Tal der Moraca Niederlagen bei; er selbst fand in der Schlacht an der Moraca den Tod.
Kara Mahmud Pascha, der selbst in offiziellen Schriftstücken als „Fürst von ganz Albanien“ zeichnete, hatte versucht, ebenso wie sein Zeitgenosse und Landsmann Ali Pascha von Janina, seine Statthalterschaft in ein autonomes Fürstentum umzuwandeln. Ebenso wie jener suchte und fand er die Unterstützung der christlichen Bevölkerung und trat in Kontakt zu christlichen Staaten - nicht nur zu Rußland, Österreich, Spanien und Venedig, sondern auch zur Kurie: Dem Papst versprach er 3000 christliche Albaner als Hilfstruppen gegen die Franzosen und erhielt dafür das Recht, auf päpstlichem Gebiet militärische Ausrüstung zu kaufen. 1795 verbündete er sich mit den Franzosen, die ihm Offiziere und Ingenieure zur Reorganisation seiner Armee zur Verfügung stellten. Er förderte in seinem Herrschaftsbereich Handel und Gewerbe und betrieb selbst einen regen Tabakhandel mit Italien, wobei ihm der spanische Konsul in Ancona, Radovani, als Agent diente. Ob er allerdings wirklich bereit war, alle Bindungen zum Osmanischen Reich zu lösen und einen vollständig unabhängigen albanischen Staat zu gründen, wie das manchmal behauptet wird, läßt sich anhand der bisher veröffentlichten Quellen nicht sicher beweisen.
Mustafa Pascha, Statthalter von Skutari, † nach 1831, Sohn von Kara Mahmud Pascha. Er wurde 1811 von der Pforte zum Mutasarrıf ernannt. Seine Heirat mit einer Nichte Ali Pascha Tepedelenlis, Aişe, führte zunächst zu einer Annäherung zum Herrscher von Janina. Diese Freundschaft hielt jedoch nicht lange an, da Mustafa von einem gegen ihn geplanten Komplott erfuhr, dessen Initiator Ali Pascha war. Das führte ihn dazu, engere Beziehungen zur Pforte aufzunehmen und sich am Kampf des Sultans gegen Ali Pascha zu beteiligen. Er erhielt dafür 1815 den Titel eines Vezirs und die Statthalterschaft über alle nordalbanischen Sandschaks (neben Skutari noch Elbasan, Dibra, Dukagjin und Ohrid). Nach der Vernichtung Ali Paschas (1822) sah die Pforte indes keinen Grund mehr dafür, Mustafa weiter zu unterstützen und seine Macht zu verstärken. Dieser war seinerseits mit der zentralistischen Politik des Sultans längst nicht mehr einverstanden. 1823 zog er sich, unter dem Vorwand, eine Verschwörung in Dibra unterdrücken zu müssen, von der Belagerung von Missolunghi zurück, ohne die Erlaubnis von Mahmud II. abzuwarten. Die Pforte, die anderwärtig beschäftigt war, konnte zunächst nichts gegen ihn unternehmen. 1828, als der russisch-türkische Krieg ausbrach, wurde Mustafa Pascha vom Sultan aufgefordert, sich mit seinen Truppen der osmanischen Armee anzuschließen. Andererseits boten die Russen an, ihn als unabhängigen Herrscher von Albanien anzuerkennen, falls er neutral bliebe. Mustafa Pascha suchte eine diplomatische Lösung und ließ seine Truppen so langsam zum bulgarischen Kriegsschauplatz marschieren, daß sie dort ankamen, als die osmanischen Truppen bereits geschlagen waren. Die Russen dachten jedoch nicht daran, ihre Versprechungen wahr zu machen; in diesem Zusammenhang ist vielleicht auch die sonst nicht so recht in den Rahmen passende Episode von Adrianopel verständlich: die Truppen des Paschas griffen nach dem Abschluß des Friedens die in Adrianopel stationierten russischen Truppen an.
Sultan Mahmud II. versuchte nach dem Friedensschluß Albanien endgültig zu befrieden und entsandte zu diesem Zweck den Großwesir Reşid Pascha mit einem Heer aus. Mustafa Pascha, der sich mit den bosnischen Aufständischen unter Husein-kapetan Gradaščević verbündet hatte, erwartete ihn auf dem Kosovo polje. Hier gelang es dem Großwesir, einen Teil der Bosnier zum Ausscheiden aus der gemeinsamen Front der Aufständischen zu bewegen. Die Albaner wurden am 21. April 1831 bei Babuna entscheidend geschlagen. Der Pascha schloß sich mit den wenigen ihm verbliebenen Truppen in der Festung von Skutari, Rozafat, ein und leistete 6 Monate lang den Belagerern erbitterten Widerstand. Nachdem er den österreichischen Kanzler Metternich um Vermittlung bei der Pforte gebeten hatte, ergab er sich im November 1831, wurde begnadigt und erhielt die Statthalterschaft über eine asiatische Provinz. Über sein Ende ist nichts bekannt.

Literatur

Tomić, Jovan N.: Mahmud Bušatlija paša Skadarski. Prvi period njegova rada (1784-1786). In: Glas SA 76 (1908) 101-212.
Pavlovič, Drag. M.: Pokret u Albaniji protivu reforama Mahmuda II. Beograd 1913.
Petković, Bogoljub: Mahmud paša Bušatlija od 1787-1796 godine. Prilog za jednu monografiju. In: Ist. Zap. 13 (1957) 211-242.
Arš, G. L.: Albanija i Epir v konce XVIII - načale XIX v. Moskva 1963.
Naçi, Stavri N.: Pashalleku i Shkodrës nën sundimin e Bushatllive në gjysmën e dytë të shekullit të XVIII (1757-1796). Tiranë 1964 (mit Bibliographie).

Verfasser

Peter Bartl (GND: 133417492)

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Empfohlene Zitierweise: Peter Bartl, Bushatlliu, in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 1. Hgg. Mathias Bernath / Felix von Schroeder. München 1974, S. 275-278 [Onlineausgabe]; URL: https://www.biolex.ios-regensburg.de/BioLexViewview.php?ID=636, abgerufen am: (Abrufdatum)

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